Unterschriftensammlung zum Bürgerantrag
„Mobile Kleinwohnformen für Wolfratshausen“

Auslagestellen der Unterschriftskarten:

  • Ohnverpackt, Obermarkt 29, Wolfratshausen
  • Keramik mal anders, Untermarkt 45, Wolfratshausen
  • Bäckerei Burger, Weldenstr. 29, Wolfratshausen-Waldram

 

Wir haben als Verein einen Bürgerantrag an die Stadt Wolfratshausen initiiert. Hierfür müssen nun Unterschriften von mindestens 1% der Einwohner*innen gesammelt werden. Die Unterschriftensammlung startet ab dem 01.12.2020

Sobald die Unterschriften zusammengekommen sind, werden wir den Antrag bei der Stadt einreichen.

Antrag zur offiziellen Positionierung zur Etablierung mobiler Kleinwohnformen in Wolfratshausen:

Der Stadtrat möge beschließen, einen offiziellen Zuspruch der Stadt Wolfratshausen für mobile Kleinwohnformen zu verfassen.

Unser Vorschlag zur Formulierung:

 „Die Stadt Wolfratshausen sieht in mobilen Kleinwohnformen eine gute Möglichkeit, um in bestimmten Bereichen zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Durch die Mobilität und eine Installation der Wohneinheiten ohne Bodenversiegelung sind mobile Kleinwohnformen auch über kürzere Zeiträume als eine herkömmliche Immobilie an einem Standort nutzbar. Wir würden es daher begrüßen, wenn Eigentümer*innen von ungenutztem Bauland wie Enkelgrundstücken oder großen Gärten dieses für mobile Kleinwohnformen zur Pacht auf z.B. 10 oder 15 Jahre zur Verfügung stellen würden.“

 Mit einer solchen Aussage könnten viele Hemmungen genommen werden und die Stadt Wolfratshausen würde sich als „Stadt am Puls der Zeit“ präsentieren. Zudem wäre dies ein gutes Instrument zur Imagebildung. Das Thema Tiny House ist derzeit in der Presse extrem beliebt und eine Berichterstattung weit über die Grenzen der Stadt hinaus wäre garantiert.

Vertretungsberechtigte für diesen Antrag: Thorsten Thane, Assunta Tammelleo, Jutta Breuer

Begründung

Klare Vorteile

Mobile Kleinwohnformen versiegeln keine Flächen. Der Boden kann trotz des Hauses weiteratmen und Wasser aufnehmen. Zum Abstellen oben genannter Häuser sind maximal Punktfundamente erforderlich, in der Regel reichen aber Grasbausteine oder eine leicht verdichtete Kiesfläche.

Mobile Kleinwohnformen können einfach und schnell zur Wohnnutzung eingesetzt werden. Da die Häuser vor der Anlieferung in der Regel schlüsselfertig gebaut werden, sind sie innerhalb weniger Tage angeschlossen und bezugsfertig.

Mobile Kleinwohnformen können problemlos wieder entfernt werden. Somit sind sie die ideale Lösung zur zeitlich begrenzten Zwischennutzung auf Brachflächen wie z.B. Enkelgrundstücken, Baugebieten mit langen Bauplanungsphasen und größeren Gärten.

Mobile Kleinwohnformen ermöglichen die Bildung neuer Gemeinschaftsformen, ob in Form größerer Mehrgenerationen-Wohnprojekte oder auch im Kleinen, z.B. in „Wohnen gegen Hilfe“-Gemeinschaften im Garten größerer Häuser oder auf dem Gelände von Landwirtschaftsbetrieben.

Befürchtungen und Gegenargumente

Tiny Houses setzen durch ihre kleinen Ausmaße die Sozialstandards in Deutschland herab
Mobile Kleinwohnformen haben in der Regel eine Wohnfläche von zwischen 20 m² und 30 m² und sind somit, wie der Name schon sagt, bewusst kleiner als eine herkömmliche Wohnung. Die durchschnittlich genutzte Wohnfläche liegt in Deutschland derzeit bei 46 m² pro Person. Dieses Mindestmaß an Wohnfläche soll natürlich auch weiterhin allen Bürger*innen zur Verfügung stehen. Die Menschen, die sich eine kleinere Wohnform wünschen, sollten dies jedoch auch verwirklichen können.

Tiny Houses brauchen viel zu viel Platz im Gegensatz zu einem in die Höhe gebauten Haus.
Ja, das stimmt. Aus diesem Grund sollten mobile Kleinwohnformen genau wie jede andere Wohnform auch dort eingesetzt werden, wo es sinnvoll ist: zur Nachverdichtung, als zeitlich begrenzte Lösung oder auf anderweitig nicht nutzbaren Flächen.

Tiny Houses verbrauchen zu viel Energie und halten nicht die Dämmwerte der EnEv ein.
Das stimmt nur zum Teil. Ja, durch die in der Regel dünneren Außenwände muss ein Tiny House pro m² erst einmal etwas mehr Heizenergie aufwenden. Demgegenüber stehen aber ökologisch gesehen viele Vorteile.
Die aktuelle EnEv fordert einen U-Wert von 0,24. Ein modernes, mit ökologischen Baustoffen gebautes Tiny House kommt je nach Bauart auf einen U-Wert von 0,3 – 0,5. Dieser Wert wird jedoch relativiert durch die weitaus geringere, für den Bau aufgewendete Sekundärenergie (Herstellung, Baustoffe, Recyclingfähigkeit). Außerdem ist die zu heizende Fläche eines Tiny Houses wesentlich geringer als bei einer herkömmlichen Wohnung. Als Gesamtobjekt betrachtet, haben mobile Kleinwohnformen also eine durchaus positive Energiebilanz. Ganz zu schweigen vom mit der eingeschränkten Wohnfläche einhergehenden stark reduzierten Konsumverhalten der Tiny-House-Bewohner.

Fazit: Da nutzen, wo es sinnvoll ist

Wir sehen mobile Kleinwohnformen nicht in Konkurrenz zu dringend benötigten hochgebauten Wohneinheiten, sondern als einen weiteren Lösungsansatz im Bereich der Wohnproblematik und als guten Weg, um soziale Anknüpfungspunkte zu schaffen.

Viele ältere Menschen leben alleine in großen Häusern und würden sich einerseits über Hilfe freuen, wollen andererseits aber niemand Fremdes im Haus wohnen haben. In der Kombination mit einer mobilen Kleinwohnform könnte hier eine Brücke geschlagen werden (Stichwort „Wohnen gegen Hilfe“). Ebenfalls gibt es ältere Menschen, die sich gut vorstellen können, ihr Haus den nun erwachsenen Kindern mit ihrer Familie zu überlassen und selber in ein kleines Haus im Garten zu ziehen. Im Grunde eine Wohnform, die in Bayern eine lange, mittlerweile oft vergessene Tradition hat (Stichwort „Austragshäusl“).

Ebenfalls denkbar ist der Anschluss einer oder mehrerer mobiler Kleinwohnformen an einen Landwirtschaftsbetrieb. Wir leben in einer Region, in der die Landwirtschaft zum Großteil von der Milchwirtschaft lebt, diese aber heute nur noch als Großbetrieb überleben kann. Bereits jetzt geben viele Landwirte auf und verkaufen ihre Tiere. Hätten diese nun aber die Möglichkeit, im Umfeld ihres Hofes einige Stellplätze für mobile Kleinwohnformen zu verpachten oder zu vermieten, hätten wir auch hier eine Win-Win-Situation. Dieses Model wird im Wendland im Übrigen bereits sehr erfolgreich umgesetzt.

Schlusswort

Wir beobachten zunehmend, dass mobile Kleinwohnformen im Raum Wolfratshausen auf Zustimmung stoßen. Viele Grundstücksbesitzer*innen sind allerdings unsicher oder haben Angst vor Problemen, wenn sie ein Grundstück zur Nutzung anbieten, da dies auch für die Genehmigungsbehörden noch Neuland ist.