Einfach gemeinsam leben e.V.

Dafür stehen wir

Positionspapier

Einführung
Dieses Positionspapier hat zum Ziel, die Interessen, Ziele und Vorgehensweisen des Vereins klarer zu definieren. Dies ermöglicht dem Vorstand genauere Planung, den Vereinsmitgliedern Klarheit über ihren Verein und der interessierten Öffentlichkeit Einsicht in unsere Arbeit.

Der Verein
Der Einfach gemeinsam leben e.V. mit Sitz in Wolfratshausen, Bayern wurde am 21.10.2018 gegründet. Die Satzung unseres Vereins ist auf der Vereinshomepage einsehbar:
https://einfach-gemeinsam-leben.info/unsere-satzung/

Wichtig: Als gemeinnütziger Verein fungiert der Einfach gemeinsam leben e.V. nur als Arbeitsgemeinschaft zur Entwicklung und ideologischen Verbreitung der im Weiteren beschriebenen Wohnideen. Die hieraus entstehenden Projekte werden nicht durch den Verein betrieben oder in sonst irgendeiner Form wirtschaftlich unterstützt. Jedes entstehende Projekt wirtschaftet für sich selbst in einer eigenen Rechtsform.

Unsere Ziele
Der Einfach gemeinsam leben e.V. verfolgt folgende Ziele:

• Die politische und öffentlichkeitswirksame Arbeit zur Etablierung neuer Wohnideen wie Tiny Houses, Modulhäuser und ähnlicher mobiler Kleinwohnformen, die keinen Boden versiegeln.

• Mobile Kleinwohnformen über die bestehenden baurechtlichen Möglichkeiten hinaus gesetzlich zu verankern und die rechtlichen Grundlagen zu klären. Ganz spezifisch möchten wir ein Stellrecht mit der Möglichkeit zur Erstwohnsitzanmeldung auf erschlossenen Grundstücken in Siedlungsrandgebieten erwirken, die nicht zwangsweise Bauland sein müssen.

• Nach Möglichkeit eine wissenschaftliche Begleitung einzelner Projekte zur Erforschung der Nachhaltigkeit der beschriebenen Wohnkonzepte. Hierzu soll es Aufgabe des Vereins sein, geeignete Forschungseinrichtungen an die in Zukunft entstehenden Wohnprojekte zu vermitteln.

• Die Erprobung neuer Wohn- und Lebensformen, z.B. eines an Nachhaltigkeit ausgerichteten Konsumverhaltens. Besonders berücksichtigt werden sollen die Lebensbedürfnisse von Kindern und Jugendlichen sowie älteren und hilfebedürftigen Menschen.

• Umweltschutz in den entstehenden Projekten durch nachhaltige Produktionsweisen der Tiny Houses und der Mobilheime, sowie zukunftsfähige Energiekonzepte.

• Veranstaltungen rund um die Themen Kultur, Freizeit, gemeinschaftliches Leben und Nachhaltigkeit.

Unsere Vision
Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, Bekämpfung der Altersarmut und nachhaltige Lebensgestaltung in dorfähnlichen Mehrgenerationen-Gemeinschaften. Leben und Lernen miteinander und voneinander.
Auch in der „großen Politik“ werden diese Themen immer wieder als „dringend“ auf die Agenda gesetzt, aber nachhaltige Lösungsansätze lassen bisher auf sich warten. Nun stellt sich Frage: Ist die Politik allein verantwortlich, die Lösungen für diese Probleme bereitzustellen?
Wir denken nein. Wir als mündige Bürger tragen durchaus einen Teil der Verantwortung, uns diesen Themen zu stellen und an nachhaltigen Lösungen mitzuarbeiten. Unser Verein sieht sich als eins von vielen nötigen Puzzlestücken zur Lösung der oben beschriebenen Thematiken und will in diesem Zuge Konzepte für alternative Lebensgestaltungen erarbeiten und in die Praxis umsetzen.

Struktur des Vereins

Vorstand
Der Verein wird vom Vorstand geleitet, der für jeweils zwei Jahre ins Amt gewählt wird. Der Vorstand setzt sich zusammen aus:

1. Vorsitzende*r
2. Vorsitzende*r
Schatzmeister*in
Schriftführer*in
und mindestens einem/r Beisitzer*in

Der Vorstand ist für folgende Aufgaben zuständig:
-Aufbau des Vereins (Administration, Strategie, Positionierung in Öffentlichkeit)
-Verwaltung des Vereins (Finanzen, Mitgliederverwaltung, Organisation MV, Webseite etc.)
-Kommunikation mit Vereinsmitgliedern (über das Vereinsgeschehen informieren)
-Strategische Ausrichtung des Vereins (Ausarbeitung Ziele, Organisation Verein)
-Medienarbeit (Öffentlichkeit über Verein informieren)

Der Vorstand kann diese Aufgaben an geeignete Drittpersonen auslagern (auch gegen Bezahlung), um die Arbeitsbelastung im Vorstand niedrig zu halten.

Mitglieder
Den Vereinsmitgliedern kommen verschiedene Rollen zu:
-Die Vereinsmitglieder bilden zusammen den Verein; und je grösser der Verein ist, desto mehr Gewicht erhält er in der Öffentlichkeit
-Die Vereinsmitglieder leisten die eigentliche Vereinsarbeit (in Arbeitsgruppen)
-Die Vereinsmitglieder können eigene Projekte starten und sich über entsprechende Tools des Vereins mit anderen Interessierten vernetzen
-Die Vereinsmitglieder sollten in ihrem Umfeld oder an entsprechenden Anlässen Werbung für den Verein machen (Material anfordern via info@einfach-gemeinsam-leben.info)
-Die Vereinsmitglieder können die zur Verfügung gestellten Daten, Dokumente, Formulare und Anleitungen frei für ihre eigenen Projekte nutzen.
Hinweis: Wenn Mitglieder im Namen des Vereins tätig werden (beispielsweise Interviews, Behördengänge, Verhandlungen und sonstige Außenauftritte), ist dies zuvor mit dem Vereinsvorstand abzusprechen.

Wer darf Mitglied sein?
Jede Privatperson kann eine Mitgliedschaft beantragen. Der Vorstand entscheidet über die Aufnahme.

Vereinsarbeit
Arbeitsgruppen
Die eigentliche Vereinsarbeit wird in verschiedenen Arbeitsgruppen geleistet. Die Arbeitsgruppen bestehen aus Vereinsmitgliedern und sind einer Arbeitsgruppenleitung zugeteilt, die in stetigem Kontakt mit dem Vereinsvorstand steht.

Was der Verein für seine Mitglieder leistet
Generell strebt der Vorstand an, dass der Verein hauptsächlich «Hilfe zur Selbsthilfe» bietet.
Der Verein möchte im Sinne von generellen Abklärungen nützliche Daten, Dokumente, Formulare und Anleitungen zur Verfügung stellen, die den Vereinsmitgliedern frei zur Verfügung stehen. Ebenfalls möchte der Verein den Mitgliedern Expert*innen und Fachpersonen weiterempfehlen, welche die Vereinsmitglieder für ihre eigenen Projekte selbst kontaktieren können. Hingegen möchte der Verein nicht die spezifischen Abklärungen bei einzelnen Projekten übernehmen.

Für welche Wohnformen setzen wir uns ein?
Der Verein setzt sich für mobile Kleinwohnformen ein. Diese können sein: Tiny Houses, Container, Modulhäuser, Zirkuswagen, Bauwagen, Jurten und jegliche Kleinwohnformen, die keinen Boden versiegeln (d. h. die ohne ein gegossenes Fundament auskommen und maximal ein Schraub- oder Punktfundament zur Stabilisierung benötigen).

Zur Diskussion stehen: Camper, Wohnwagen, Wohnbusse (nicht als Hauptwohnsitz konstruiert und zu wenig energieeffizient/ökologisch).

Als Verein ist es uns wichtig, keine allzu strikte Grenze zu ziehen und offen zu bleiben für alle Wohnformen, die dem Leitgedanken dieses Vereins entsprechen: Alle Menschen, deren Wunsch-Wohnform generationsübergreifend ist und die keine neue Bodenversiegelung erfordert (z.B. Gebäude im Bestand), oder die diese Wohnformen unterstützen wollen, sind bei uns als Mitglieder willkommen.

Der Verein steht der Nutzung mobiler Kleinwohnformen als Zweitwohnsitz oder Ferienwohnung kritisch gegenüber. In Einzelfällen kann es hier natürlich sinnvolle Ausnahmen geben, aber grundsätzlich sollte ungenutzter Wohnraum nicht leer stehen.

Darum unterstützen wir alternative Wohnkonzepte
Um Wohnen nachhaltig zu gestalten und den aktuellen Herausforderungen adäquat zu begegnen, werden verschiedene nachhaltige Wohnkonzepte benötigt. Darunter fallen höhere mehrstöckige Bauten, allgemein verdichtetes Bauen, Wohngenossenschaften, Wohngemeinschaften, Cluster-Wohnungen usw. Die mobilen Kleinwohnformen sind als Ergänzung zu diesen nachhaltigen Wohnkonzepten zu betrachten. Nicht allen Menschen entsprechen die oben genannten herkömmlichen nachhaltigen Wohnkonzepte; manche Menschen wünschen sich nach wie vor die «eigenen vier Wände» und individuellere Gestaltungsfreiheit, wollen aber für das Eigenheim nicht so viel Platz und Ressourcen beanspruchen. Genauso wenig muss aber damit gerechnet werden, dass somit plötzlich alle Menschen in mobilen Kleinwohnformen wohnen werden, denn auch diese entsprechen nicht allen Menschen. Befürchtungen, dass das verdichtete Wohnen durch mobile Kleinwohnformen untergraben wird oder diese zu viel Fläche beanspruchen werden (also ineffizient sind im Umgang mit Boden, da sie nicht mehrstöckig sind), haben wir daher keine. Nebst mehrstöckigen nachhaltigen Wohnkonzepten sind mobile Kleinwohnformen in unseren Augen eine sinnvolle Ergänzung. Ebenfalls sind sie zweifellos eine sinnvolle Alternative zum herkömmlichen, normalgroßen Eigenheim. Jede mobile Kleinwohnform ist immer noch kleiner, ressourcen- und energieschonender und außerdem mobiler als ein herkömmliches Eigenheim. Wünscht sich also ein Mensch ein Eigenheim (nicht zu mieten), weil dies besser zu ihm/ihr passt als andere nachhaltige Wohnkonzepte, bieten sich mobile Kleinwohnformen als ideale Lösung an.

Der Mehrwert von Mehrgenerationen-Wohnprojekten in mobilen Kleinwohnformen
-Mobile Kleinwohnformen inspirieren zu ökologischem Bauen, weniger Konsum, bewussterem Umgang mit Zeit und Ressourcen und stellen herkömmliche, weniger nachhaltige Wohngewohnheiten infrage.
-Mobile Kleinwohnformen sind i.d.R. ökologischer gebaut als herkömmliche Häuser, verbrauchen weniger Ressourcen und Energie, sind platzsparende und finanzierbare Eigenheime, versiegeln keinen Boden und nutzen oftmals innovative Technologie (Kreisläufe, Autarkie), um die Umwelt möglichst wenig zu belasten.

Was muss sich politisch/rechtlich ändern?
Wir fordern eine Anpassung der bestehenden Wohn- und Bauvorschriften zu Gunsten des Lebens in mobilen Kleinwohnformen auf Flächen, die nicht als Baugrund ausgewiesen sind, aber weder landwirtschaftlich genutzt werden noch einen besonderen Schutz der Natur erfordern, z. B. Kleingärten, Freizeitgrundstücke ,erschlossene Außengebiete (wie z.B. erschlossene Flächen im nahen Umfeld von Landwirtschaftsbetrieben, brachliegende Sondernutzungsflächen, brachliegende Flächen im Außengebiet etc).

Außerdem fordern wir ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren für die Nutzung von mobilem Wohnraum auf nicht genutztem Bauland zur Zwischennutzung. Voraussetzungen für eine Genehmigung auf allen oben genannten Flächen sollte sein:

– Ganzjähriger Zugang zu Frischwasser, Anschluss an die Wasserversorgung
– Ganzjähriger Zugang zu Strom (auch über Eigenversorgung)
– Ganzjährig sichere Klärung von Abwasser über die Kanalisation oder einer modernen Kleinkläranlage
– Keine Versieglung des Bodens durch den Bau von Fundamenten, Kellergewölben oder ähnliche angelegten Bauwerken
– Die Mobilität oder die Möglichkeit zu einem Rückbau ohne schwerem Gerät der Wohneinheiten muss gewährleistet bleiben

Ein weiterer, noch zu klärender Punkt ist die Schaffung einer legalen Meldemöglichkeit für Stellplätze ohne eigene Adresse. Wie z.B. Brachflächen im Außengebiet die auf Grund ihrer Lage keine „Anschrift“ haben. Ein Vorschlag hierzu wäre, die Möglichkeit zur Anmeldung unter der Adresse des Grundstückeigentümers.

Abschließende Erklärung
Der Einfach gemeinsam Leben e.V. distanziert sich ausdrücklich von ideologischen Ansätzen und Organisationen wie der Scientology- oder Reichsbürger-Bewegung, von jeglichen Sekten sowie von rechtsextremem und antisemitischem Gedankengut. Wir stehen für Vielfalt, Pluralismus und Inklusion.

Stand: Juni 2019

Positionspapier EGL zum Download