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Initiativen im Blickpunkt

Back to the roots – Interview mit Babara Lexa

Anfang Oktober lud uns Barbara Lexa in ihren kürzlich in Wolfratshausen bezogenen Wohnwagon „Ananda“ ein. Im gemütlichen Erker ihres neuen Heims sprachen wir über Barbaras lange Reise auf dem Weg zum eigenen Tiny House, die erstaunlicherweise dort endete, wo sie begann. Raus aus Wolfratshausen hatte sie gewollt vor dreieinhalb Jahren – in die Berge, ins Grüne, mit weniger Besitz und mehr Freiheit im Gepäck. Und sich spontan in die autarken Wohnwagons verliebt mit ihren heimeligen Rundungen, dem naturbelassenen Baumaterial und dem lichtdurchfluteten Raum. Nur wie bezahlen und wohin damit? Das waren die Fragen, die sich von nun an durch Barbaras Leben zogen – bis sie den richtigen Ort gefunden hatte, an dem auf einmal alles ganz schnell und einfach ging. 

Und so flog die prächtige Ananda im Spätsommer 2020 über den Gartenzaun im elterlichen Grundstück und zeigt nun direkt in Wolfratshausen, wie schön einfaches Leben sein kann. Sogar besichtigen kann man sie dort. Barbara lädt auf ihrer Website regelmäßig zum Tinyhouse Zirkel ein. Mehr Details zu Anandas Platzsuche und Genehmigung gibt es in unserem ausführlichen Interview.

Egl: Wann und wie bist du auf die Idee gekommen, in einem Tiny House zu leben?
BL: Es war gar nicht unbedingt meine Intention, in einem Tiny House zu leben. Ich wollte damals einfach nur raus ins Grüne. Konkret wurde es dann am 9. Juni 2017. Da bin ich auf dem Balkon gesessen und habe ein Buch über einfaches Leben gelesen, in dem ein Bild von einem Wohnwagon war. Und PENG – da war mit klar: So will ich leben.

Egl: Warum gerade ein Wohnwagon?
BL: Die klassischen Tiny Houses sprechen mich einfach nicht an. Aber der Wohnwagon mit seinen heimeligen Rundungen, dem Lehmputz und der ganzen autarken Technik samt Kleinkläranlage, das ist genau, was ich mir wünsche. Außerdem wollte ich etwas Ebenerdiges, denn man wird ja auch nicht jünger und weiß nicht, wie lange man noch Leitern hochklettern kann.

Egl: Wie bist du danach vorgegangen?
BL: Dann habe ich weiter recherchiert. Als ich die Preise für einen Wohnwagon gesehen habe, kam dann erstmal die große Ernüchterung. Es hat mich aber einfach nicht losgelassen. Ich habe dann in Österreich jeweils eine Probenacht im Wohnwagon „Karl“ und im größeren Modell „Fanny“ gemacht. „Karl“ war für meine Zwecke zu klein, aber das größere Modell war perfekt. Also habe ich monatelang verschiedene Finanzierungsmodelle abgewogen und mich am Ende für einen privaten Familienkredit entschieden. Auch mögliche Stellplätze habe ich natürlich recherchiert und erfahren, dass bei Neuburg an der Donau ein Tiny-House-Dorf entstehen soll. Also habe ich dort den Kontakt hergestellt und den Wohnwagon im April 2018 in Auftrag gegeben.

Egl: Wie lange hat es dann gedauert, bis du in deinem Wohnwagon leben konntest?
BL: Leider noch recht lange, weit über zwei Jahre. Der Wohnwagon wurde ab Mai 2019 für mich gebaut mit Fertigstellung im August. Die Genehmigung des Tiny-House-Dorfs zog sich aber irre lange hin und ist auch immer noch nicht durch. Erst hieß es, dass ich ab Herbst 2019 schon einmal vorab dort einziehen könnte, da der Wohnwagon ja autark ist und keine Anschlüsse benötigt. Auch das hat sich dann aber zerschlagen. Nun war mein Wohnwagon ja aber fertig und ich brauchte unbedingt einen Platz.

Egl: Und wie hast du schließlich einen Platz gefunden?
BL: Ich habe Anzeigen geschaltet und bin jeder möglichen Spur nachgegangen. Es haben sich lauter Menschen mit Wiesen gemeldet, auf denen es sogar teilweise schon einen Bebauungsplan gab. Aber immer kam uns die Ortsgestaltungssatzung in die Quere. Der Wohnwagon passt im Gegensatz zu den klassischen Tiny Houses da einfach nicht ins Konzept. Ich habe mit zahlreichen Bauamtsleitern gesprochen und traf teils auf kategorische Ablehnung, teils auf Angst vor Neuem. Eine Wiese in Schongau wäre am Ende sogar möglich gewesen, vorausgesetzt, das Landratsamt hätte noch zugestimmt. Dann aber hat das Schicksal eingegriffen. Meine Mutter hatte einen Unfall, und Schongau war einfach zu weit weg, als dass ich mich regelmäßig um sie hätte kümmern können. Dann ist etwas passiert, das ich vorher nicht mal ansatzweise in Erwägung gezogen hätte. Es hat sich herausgestellt, dass der Garten meines Elternhauses Baugrund ist. Und nicht nur das: Es griffen hier weder ein Bebauungsplan, noch die Ortsgestaltungssatzung. All das, was mir vorher so viele Probleme bereitet hatte, war hier nicht vorhanden. Ich habe dann eine Skizze gemacht und der Wohnwagon passte genau in das Gartengrundstück. Also bin ich am Ende wieder da gelandet, von wo aus ich überhaupt erst zu meiner Reise aufgebrochen war.

Egl: Doch dann musstest du trotzdem noch einen Bauantrag stellen …
BL: Ja, einen Bauantrag für Gebäudeklasse 1, wie für ein normales Haus. Eigentlich abstrus, aber so konnte ich wenigstens endlich in meinem Wohnwagon wohnen. Das Ganze lief völlig problemlos, war aber natürlich wieder mit Aufwand und Kosten verbunden. Der Stellplatz musste ordnungsgemäß erschlossen und Parkplätze geschaffen werden – ohne Unterstützung meiner Eltern hätte ich das nicht stemmen können. Der Bauantrag hat 3500 € gekostet, die Erschließung 25000 €. Der Wohnwagon gilt nun als Zusatzwohneinheit des Haupthauses und ist auch hier angeschlossen. Die Abgabe des Bauantrags erfolgte auf den allerletzten Drücker. Die Frist war der 16. März und da aufgrund von Corona die Post keine Expresssendung garantieren konnte, habe ich mich damals noch extra mit Architektin in Regensburg getroffen und den Antrag noch gerade rechtzeitig in den Briefkasten des schon geschlossenen Rathauses geworfen. Die Stadt Wolfratshausen hat den Antrag dann gleich ans Landratsamt weitergeleitet, und auch hier gab es keine Probleme. Es kamen zweimal Rückfragen wegen der Regenwasserversickerung, aber das war’s. Ich hatte in kürzester Zeit die Baugenehmigung vorliegen. Von der Beauftragung der Architektin bis zur Baugenehmigung hat es nur zwei Monate gedauert. Auch die Einhaltung der EnEv war kein Problem. Was lustig ist: Wenn ich einmal hier wegziehe, muss ich für die „Ananda“ eine Abrissgenehmigung beantragen …

Egl: Und seit wann lebst du endlich in deinem Wohnwagon?
BL: Seit dem 14. September! Es musste ja auch erstmal noch der Kanal gegraben werden– das ging mit viel Überredung ab Juli. Und dann hat sich auch noch der Transport etwas hingezogen, denn die „Ananda“ musste per Kran ins Grundstück gehoben werden. Es gibt ein sehr schönes Bild, wie sie über unseren Gartenzaun schwebt. Seither wohne ich komplett hier, habe aber auch noch ein Zimmer im Haus für meine Seminare.

Egl: Was möchtest du allen mit auf den Weg geben, die sich entschließen, in einem Tiny House zu wohnen?
BL: (schließt die Augen und überlegt) Vor allem sollte man schauen: Was kann ich denn überhaupt mitnehmen? Man muss quasi Inventur machen. Ich selber habe meinen Besitz von grob geschätzt 12000 Gegenständen auf 1250 Gegenstände im Wohnwagon reduziert. Ich habe ein ganzes Jahr lang ausgemistet und alles, was in die „Ananda“ mitgeht, in einen großen Schrank gepackt. Dann muss man sich natürlich auch fragen: Wo will ich hin und wie geht das gesetzlich? Das ist das A und O. An den meisten Orten ist eine Genehmigung einfacher mit einem Tiny House, das besser in die Ortsgestaltungssatzungen passt – aber für mich ist es genau so richtig, wie es ist.

Egl: Vielen Dank für diesen ausführlichen Bericht!

Mehr zu Barbara und Ananda
Auf ihrer Website teilt Barbara Lexa ihre Erfahrungen auf dem Weg zum Tiny House. Sie veranstaltet regelmäßig einen Tinyhouse Zirkel, verbunden mit einer Wohnwagon-Besichtigung, und hat ihre Erlebnisse in zwei Büchern niedergeschrieben. Band 1 „Tinyhouse Träume und Tatsachen“ ist bereits erhältlich, Band 2 soll ab November erscheinen. Auch in Film ist in Planung.

Hannes Schneider, Zimmermann und Mitglied im Egl e.V.

 

Hannes Schneider ist Zimmermann im elterlichen Traditionsbetrieb. Gegründet wurde die Schreinerei von Hannes‘ Großvater Hans, der somit seinem Enkel das Holz quasi in die Wiege legte. Dass Hannes aber irgendwann einmal kleine Häuser auf Rädern bauen würde, das hätte bis vor kurzem noch niemand gedacht. „Das erste Mal bin ich über meinen Nachbarn, einen Anhängerverkäufer, mit Tiny Houses in Verbindung gekommen. Und als alter Camper war ich gleich Feuer und Flamme“, erzählt Hannes auf die Frage hin, wie er auf die Idee kam Tiny Houses zu bauen.

 „Ich hab dann in meiner Euphorie einfach einen Anhänger mit 7,20 m gekauft. Bis ich dann angefangen habe, wirklich etwas draufzubauen, gingen aber nochmal zwei Jahre ins Land. Die erste Idee war es, eine Sauna mit Pool auf den Hänger zu setzen. Aus diesem Plan wurde letztendlich aber dann das erste Tiny House.“

Getreu dem Motto „gut Ding will Weile haben“ zog sich der Bau von der Planung bis zur Fertigstellung über fast ein Jahr. Rückblickend zieht Hannes ein nicht nur positives Fazit aus dieser Zeit.

„Gelernt haben wir sehr viel beim Tiny-House-Bau. Vor allem, dass man sich mit der Planung etwas mehr Zeit lassen sollte (Hannes schmunzelt) und dass man von Anfang an mehr Leute mit ins Boot holt. Sprich, andere Gewerke. So ein Haus besteht doch aus wesentlich mehr als nur dem reinen Holzbau. Die größte Herausforderung war aber, das Maximalgewicht von 3,5 Tonnen einzuhalten.“

Auf die Frage, wie es nun weitergehen wird mit den Tiny Houses in der Schreinerei Schneider in Königsdorf, erzählt Hannes von einem geplanten Tiny-House-Projekt am Bodensee. „Dort soll eine Siedlung entstehen, wir sind da derzeit in Verhandlungen.“ Bei diesem Thema ist er allerdings noch sehr zurückhaltend. Verständlicherweise, denn die Bedingungen für Tiny Houses lassen in Deutschland nach wie vor noch viel Luft nach oben.

Mehr Informationen über das Angebot von Hannes findet ihr hier.

Tiny Pop Up Projekt München

Die Tiny Houses „Mission Winzig“ und „Tiny-DaHome“ bilden momentan das Tiny-Pop-Up-Projekt in München Pasing. Bestehend aus diesen zwei Häuser auf Rädern soll das erste Tiny-Pop-Up-Projekt ein Vorreiter für ökologisches und innovatives Leben auf temporären, nachverdichteten oder nicht genutzten Flächen in der Stadt sein. Ziel ist es, an verschiedensten Orten Tiny-Pop-Up-Projekte mit ca. 1-5 mobilen Kleinwohnformen möglich zu machen und so für einen umweltbewussten Lebensstil zu sensibilisieren. Uns ist es wichtig, gezielt Vertreter aus Politik und Stadtplanung einzuladen, damit sie sich ein Bild dieser Kleinwohnform machen können. Außerdem sollen Tiny-Pop-Ups Begegnungsorte im Viertel sein, die Themen rund um Ressourcenschonung, erneuerbare Energien und Minimalismus erlebbar machen – für Schulklassen genauso wie für die Nachbarn. Dies soll ein Bewusstsein für eine ökologische Lebensweise in die breite Masse tragen und soziale Normen schaffen.

Tiny Houses stellen einen von vielen nötigen Lösungsansätzen dar, den Mangel an bezahlbarem Wohnraum zu entschärfen. Möglichkeiten sind hier z.B. Zwischennutzungen und Nachverdichtungen auf ungenutzten und zu kleinen (Brach)Flächen, Hinterhöfen, Privatgärten, Parkplätzen oder Flachdächern. Es geht nicht darum, das Hochhaus zu ersetzen, sondern potenzielle Wohnflächen nicht ungenutzt zu lassen. 

Kleinwohnformen fördern einen nachhaltigen und ressourcenschonenden Lebensstil, der CO²-Fußabdruck kann sich um mehr als 45% reduzieren. Außerdem werden keine Böden versiegelt, und es wird mit ökologischen Materialien gebaut. Dadurch verringert sich auch der Primärenergiebedarf pro Person.

Auch deshalb wollen wir langfristig erreichen, dass es möglich ist, in einer Kleinwohnform ohne rechtliche Hürden und teure Genehmigungsverfahren zu wohnen. Das Wohnrecht braucht ein Update, um diese moderne, nachhaltige Wohnform möglich zu machen. Wir sind der Meinung, wenn es die Politik mit der Förderung eines ökologischen Lebensstils ernst meint – Beispiel Debatte CO²-Steuer, darf sie Menschen, die freiwillig einen nachhaltigeren Lebensstil wählen, nicht weiter Steine in den Weg legen. Denn souverän ist nicht, wer viel hat, sondern wer wenig braucht (Niko Paech)

Und hier geht es zur Website vom Tiny Pop Up München.

Neustart für Muck Entdeckerdorf

Das Schäferwagendorf, das 2016 gegründet wurde, um einkommensschwachen Familien einen Tapetenwechsel im Grünen zu günstigen Preisen zu ermöglichen, kann sein besonderes Angebot wieder umsetzen. Noch im vergangenen Jahr war das wegweisende Projekt mangels Grundstück vor dem Aus gestanden. Doch der Pasinger Trägerverein Muck e.V. gab nicht auf. Im Mai wird das Entdeckerdorf auf einer Fläche in Rottenbuch im Landkreis Weilheim-Schongau neu errichtet. Ab 2021 kann das Dorf ein Grundstück im Ammertal beziehen und startet in diesem Jahr bereits übergangsweise auf einem Gelände des Rottenbucher Fußballvereins.
Der Verein Muck will außerdem im Hinblick auf die Viruskrise helfen. Abschlussklassen aus München, die ihre Abschlussfahrten stornieren mussten, können ersatzweise im Entdeckerdorf ein attraktives Erholungsziel finden.

Der Verein setzt darauf, dass Klassenfahrten im Inland wieder erlaubt sein werden. Die Wagen jedenfalls stünden bereit. Auch Familien können dann für diesen Sommer buchen.

Weitere Informationen gibt es auf der Website sowie bei der Initiatorin Pia Nowak.